Eine der beliebtesten und gleichzeitig verhassten Gottheiten Aventuriens: Rondra. Zwischen ehrenhaftem Streiter der Gerechtigkeit und nervender Moralkeule haben Rondrageweihte mit ihrem gnadenlosen Idealismus schon den ein oder anderen Spielergruppensegen auf dem Gewissen. Wir schauen uns heute mal an, was den Rondraglauben ausmacht, ob er wirklich so unrealistische Ideale predigt, warum er das tut, wo er sich Kompetenzfelder mit Kor teilt und was die Geweihtenschaft eigentlich sonst noch so treibt.

  1. David says:

    sehr guter Podcast.
    insbesondere die Ausführungen zu Effizienz vs. GötterDienst, ebenfalls zur säkularen Funktion der Rondrakirche im Sinne eines Kriegsvölkerrechts.

    Mein Vorschlag ist: Kor und und Phex sind zwei Abspaltungen des Namenlosen sind, sozusagen der kriegerische Aspekt des Rattenkinds, welcher durch Rondra und Flamenor abgespalten werden konnten.
    So wie Phex die Schlauen/Gewieften fördert, auf Kosten des bestehenden Systems, so Kor eben das Recht des Stärkeren.
    Eure Vergleiche zwischen Rondra- und Rahja-Geweihte sind fehlerhaft und nicht hilfreich.

    Ich vermisse den Aspekt der Ritterorden, wie sie im Mittelalter in Europa verbreitet waren, auch die Kreuzzüge. Das ist ganz wesentlicher Teil der Rondrakirche. Diplomatie und Verhandlungen beruhen wesentlich auf der Fähigkeit, falls die Verhandlungen scheitern, die zuvor verhandelten Punkte auch mit Gewalt zu nehmen…

    Etwa in der Mitte des Podcasts relativiert ihr wieder die Bedeutung der Rondrakirche (Feldherr im Effizienzdenken). Sollte der eine Stadt aushungern lassen usw. dann wird Rondra eine Heldengruppe schicken, das Schicksal zu wenden, auch im Verbund mit Phex… Nicht vergessen, Helden sind in Aventurien REAL, Götter sind REAL.
    Die Hierarchisierung von Rondra und Kor für das Schlachtfeld halte ich für unnötig. Die Bedeutung von Kor oder Rondra für Schlachten sehe ich etwa so: Rondra fährt mit dem Streitwagen die Schlacht hinein und entscheidet diese durch Heldenmut, kriegerische Tugenden und Fähigkeiten. Kor ist der direktere Bezug zur Schlacht, das Getümmel, also das Blut, der Dreck, die Schreie, das Krepieren. Im Schlachtengemälde sieht man Rondra, im Oliver-Stone-Film Kor. Anders gesagt: Rondra kommt ohne Trauma aus der Schlacht heraus, Kor lebt das Trauma.

    Ich behaupte, der Diskurs zu Ehre ist für die Abgrenzung von Rondra zu Kor obsolet. Rondra ist, glaube ich, grundsätzlich gegen die Bewaffunung der Massen, auch von Nicht-Kriegern (z.B. Bauern). Rondra ist also für Berufskrieger (Ritter) – Selektion durch Geburtsrecht, Stand, Ausbildung.
    Kor duldet die Bewaffunung der Massen, geht aber ebenfalls von Berufssoldaten aus, die ihren Beruf deshalb ausüben können, weil sie nicht krepieren – natürliche Selektion der Besten – was das namenlose/revolutionäre Element bildet, jedenfalls ins Verhältis gesetzt zur Selektion bei Rondra (ähnlich wie Phex zu Praios).

    Götter des Konflikts gibt es im 12-Götter-Pantheon einige. Da sind Praios, der ewige Rechthaber, Rondra mit den Waffen, Phex mit dem Geldbeutel eines anderen…

    Was Ehre angeht und die Bereitschaft hierfür Leib und Leben zu riskieren. Offensichtlich kommt ihr selten aus eurer Mittelstandszene heraus. Ein kleiner Ausflug in die Wohnblock/Hochaussiedlung, mal dumm geguckt und eine leichte Beleidigung gegen einen Ortsansässigen geäußert, und schon fliegt die Faust oder die Klinge. Erstrecht bei Beleidigung von Mutter oder Schwester, Zweifel an Männlichkeit oder Behauptung einer homosexuellen Orientierung.
    So richtig aus der Mode gekommen ist es also nicht vollends. Die Frage ist aber, gerade aus einer Mittelschichtssozialisation heraus, wie krass muss man sein, wie sehr im Tunnelblick mit Riesenscheuklappen, um so zu handeln. Und wie kann man sich da reinbringen, in so einen Modus – und sei es nur fürs p&p.
    Sozialarbeiterisch kann man natürlich auch noch fragen, wie kommt man aus diesem Zustand heraus…

  2. Odonel says:

    Außeraventurische Überlegungen
    Rondra mag zwar auch für Schlachten und das Kämpfen stehen, aber in erster Linie ist sie doch eher die Göttin der Helden. Dadurch wird sie dann insbesondere zur Göttin der Spielercharaktere. Zumindest im klassischen Heldenbild, das vorherschte als DSA erfunden wurde. Da wollte vermutlich noch jeder ein strahlender Held sein, dem als Belohnung das Leuchten in den Augen der Geknechteten reicht. Heutzutage ist die Narative etwas weiter gereift und die Helden haben mehr Schattierungen bekommen. Rondras Tugenden führen in Heldengruppen viel mehr zu Schwierigkeiten als dem guten Gefühl, das Richtige getan zu haben.

    Der DSA-Metaplot scheint diesen Wandel der Spielerhelden auch mitzumachen. So führen die rondraschen Tugenden in den vergangenen Konflikten zur großen Schwächung der Kirche, die auf ihren Idealen bestehen möchte. Da halte ich es dann auch nicht für unglaubwürdig, dass ein Geweihter des Nandus, diese Denkweise kritisiert. Es ist spannend, ob die Rondrakirche in der Zukunft von Aventurien stets eine so große Rolle spielen wird.

    Inneraventurische Überlegungen
    Rondras Art zu kämpfen als unanfechtbar zu bezeichnen, nur weil sie eine Göttin ist, ist etwas kurz gedacht. In den dunklen Zeiten gab es mindestens vier Gottheiten des Krieges, deren Anhänger im Widerstreit lagen. Warum gerade hat der rechtschaffene Kampf diese Auseinandersetzung überstanden und nicht etwa taktisches Geschick? Ich bin nicht sehr bewandert was die dunklen Zeiten angeht, aber dieser Frage werde ich auf jeden Fall mal etwas weiter nachgehen.

    Die Rolle von Rondras Tugenden beim Adel und in Schlachten dürfte im Eifer des Gefechts weniger zum Tragen kommen. Stattdessen sind solche Dinge ein Luxus, der vielleicht über Schlachtplänen gebeugt in Betracht gezogen wird oder bei diplomatischen Verhandlungen. Ich stelle mir das so ein bisschen wie eine Abmachung zwischen verschiedenen Reichen vor. Derjenige, der sich nicht an den „guten Kampf“ hält, bei dem die Bevölkerung am wenigsten leidet, der wird von den anderen geächtet und man verhandelt nicht mehr mit ihm. So wie ein Abkommen gegen den Einsatz von Atomwaffen.

    • Henning says:

      Rondra hat den Kampf gegen Shinxir gewonnen weil Sie unfair gekämpft hat. In der Entscheidungsschlacht wurden die taktisch ausgebildeten Shinxir Priester per Liturgie zu dem – für sie unüblichen – rondrianischen Zweikampf gezwungen und einer nach dem anderen niedergemacht.
      So gesehen steht Rondra dem Namenlosen oder auch Phex sehr nahe. Vorne Ehre predigen und hinten nachtreten.

  3. Everon says:

    Ansich ist der Punkt, dass Götter und Moral bedeuten, dass man auf vermeintlich effizientere Wege verzichtet, sehr gut erkannt. Ich schreibe hier vermeintlich, weil die Akzeptanz potentiell namenloser Wege zu einer ingesamt nachteiligeren Situation in der Welt führen kann. Da es 12 Götter und viele Halbgötter gibt, finden sich aber auch für viele aus Rondrasicht unfaire Mittel, eine Gottheit der Wahl, die das befürwortet.

    Zurück zu Moral und Fairness der Göttin Rondra. Fairer Kampf ist erstmal nicht die maximal möglich ineffizienteste Weise, zu kämpfen, da man sich noch weiter beliebig benachteiligen kann, z. B. könnte man sich vorm Kampf immer einen Dolch in den Bauch rammen. Ich finde auch fairen Kampf als Nachteil zu sehen, zu kurz gedacht. Fairness ist meines Erachtens eine wichtige Grundlage, damit (in einer realen DSA-Welt) überhaupt hohe Skill-Level erreicht werden können. Wenn Unfairness praktiziert wird, brauch ich den Skill nicht üben und Motivation und Eifer gehen verloren. Ich muss nicht immer besser mit dem Schwert werden, wenn ich hinterrücks meucheln kann. Und wenn ich als Übender immer unfair besiegt werde, werde ich nicht an dem Skill weiterarbeiten, sondern aufgeben oder andere Wege wählen und damit einen anderen Skill trainieren. Für das Ausbilden hoher Kampfskills ist Fairness auch dadurch wichtig, dass so beim Üben geringer Schaden entsteht und das Nachwuchstalent nicht mitten auf dem Weg durch Tod oder Verkrüppellung aufhören muss. Ergo, eine Rondrageweihte oder ein Rondrageweihter ist nur deshalb so stark im Kampf und in der Lage, die Gegner wegzuhauen, weil eben die Fairness die Ausbildung dieser Fertigkeiten erlaubt hat.

    Kor als Gott der Söldner hat eher Anhänger von niederem Stand, so dass durchaus die meisten Umkommen können, bevor sie entsprechrnde Skills haben. Bei Adligen wär das eher blöd.

  4. Till says:

    Hallo, zu verschiedenen Dingen die Ihr besprochen habt:
    1. „Rondra ist sicherlich eine der mächtigsten Kirchen, weil sie/ihre Lehre was zu sagen hat “ Dem ersten Teil stimme ich zu, die Rondrakirche ist sicherlich eine der mächtigsten Kirchen, aber nicht wegen ihrer Lehre, sondern weil sie mit Praios die beliebteste Kirche unter Adeligen ist und somit viel Einfluss hat.

    2. „Man braucht ja auch Personal für die Tempel und so“. Absolut, aber ausgerechnet in der Rondrakirche glaube ich nicht an soo viele Angestellte. Hier werden sicherlich viele alte Geweiht und Akoluten eingesetzt, die aufgrund ihres Alters nicht mehr so gut kämpfen können, und ihnen einen erhenvollen Ruhestand zu geben. Es gab ja auch lange Zeiten, in denen nicht wie jetzt in den Borbaradkriegen, ständig gekämpft wurde, so dass auch viele Geweihte das „Rentenalter“ erreichen konnten. Das System gab es schon beim Alten Fritz, und auch heute werden ehemalige Soldaten aus der Bundeswehr vereinfacht in den öffentlichen Dienst übernommen.

    3. Mal wieder (ich glaube wie beim Boron Podcast) wurde von Philipp Unverständnis über Kreuzzüge oder sterben aus Ehre geäußert. Ich halte das für völlig normale Motive, die bis in heutige Zeiten zu beobachten sind. (Meist nicht monokausal (irdisch wie auf Dere) für ein Aufbrechen, aber in einer Gemengelage mit Abenteuerlust, Männlichkeitswahn, Gier nach Beute und ggf. Macht etc. )

    4. Rondra-Kor: Ich finde das eine gute Unterteilung: Die Göttin steht für das nahezu unerreichbare ideal, ihr junger pubertierender Sohn verkörpert eben das ungezogene realistische Element. Das gibt es ja auch in anderen Konstellationen, so wie Rahja und Levthan etc.
    Rondra als Göttin der Ehre und des Zweikampfs
    Kor als Gott der Stärke (= des sich durchsetzens mit allen Mitteln) und des Schlachtgetümmels
    Shinxir als Gott der taktischen Schlacht („des Schwarms“) und der Athetik? (Muss unbedingt noch „Myransiche Götter“ lesen)
    (Spannend für eine Podcast wäre sicherlich auch der Vergleich des Zwölfgöttlichen Pantheons mit den restlichen Göttern, die es nicht geschafft haben darin aufgenommen zu werden, und aber teilweise in Myranor verehrt werden.)

  5. Kekse says:

    Irgendwie war euch nicht klar, dass Rondra eine Göttin und kein Gott ist oder? oO Das hat mich schon nach wenigen Minuten ziemlich abgeschreckt.

    Fand den Podcast auch sonst wenig überzeugend, vor allem auch, weil ihr göttliches Wirken, Wunder, Artefakte, Heiligtümer und auch die Liturgien der Geweihten vollkommen ignoriert habt, aber das scheint bei den anderen Götter-Podcasts nicht anders zu sein.

  6. WReOs says:

    Ich habe bei ziemlich allen Götter-Podcasts das Gefühl, dass die jeweiligen ersten 2 Seiten im Wege der Götter (o.ä.) konsequent ignoriert wurden xD Ist anstrengend zuzuhören, wenn manche Sachen gesetzt sind und ihr euch minutenlang fragt, wie man manche Sachen auslegen KÖNNTE. Ja, jedem das eigene Aventurien, aber da wird euch ziemlich viel an die Hand gegeben 😀

  7. Daniel Gabler says:

    Ich weiss ich weiss es ist schon lange online aber ich möchte einen einschub aus dem WdG geben S.48:

    Strömungen innerhalb der Kirche
    Auch in der Rondra-Kirche gibt es Unterschiede zwischen einer recht
    weltlich geneigten güldenländischen Strömung und den meist tulamidischen Mystikern, die Rondra nach überlieferten alttulamidischen
    Riten verehren. Während viele der westaventurischen Geweihten die
    höfischen Ideale der Ehrenhaftigkeit und Ritterlichkeit betonen, wirkt
    der Ritus in Osten und Norden wesentlich archaischer und wilder.
    Hinzu kommt die unabhängige Kirche der Amazonen, die ihre Königin als Oberhaupt ansieht und sich auf blutige urtulamidische Riten
    beruft.
    Eklatanter spaltet sich die Kirche in Bezug auf den Umgang mit der
    Ehre (und teils auch der Magie). Drei Ansichten haben sich seit Bestehen der Kirche herauskristallisiert. Für die so genannten Honoren
    ist jeglicher Bruch der Gesetze der Ehre schändlich. Viele Kriegsstrategien und -taktiken gelten als unehrenhaft, Ruhm lässt sich nur
    mit dem Schwert in der Hand auf dem Feld oder im Duell erlangen.
    Nach Ansicht vieler Honoren ist Ehre eine Eigenschaft, die einem
    Menschen in die Wiege gelegt ist – oder eben nicht. Magier werden
    generell als ehrlos angesehen.
    Die konservativen Traditionalisten erkennen wohl an, dass ein Taktieren im Krieg vonnöten sein kann, beschränken sich hierbei jedoch
    auf rondrianisch akzeptable Manöver. Fernwaffen werden sehr skeptisch gesehen (die überwiegend traditionalistischen Amazonen haben hier eine differierende Auffassung). Auch nicht adlige oder zum
    Kämpfen ausgebildete Menschen können sich durch Mut auszeichnen. Doch auf dem Feld der Ehre haben sie, genauso wie Magier,
    nichts zu suchen.
    Die Salutaristen dagegen erkennen zum Beispiel auch den taktischen
    Rückzug in der Schlacht als nicht ehrbeschneidend an, sehen den Bogen als ehrvolle Waffe (nicht jedoch die Armbrust), solange er nicht
    aus dem Hinterhalt verwendet wird, und gestehen jedem einzelnen
    zu, sich vor Rondra zu beweisen und Ehre zu erringen. Nicht die
    natürliche Begabung eines Wesens definiert hier Ehrenhaftigkeit,
    sondern das bewusste Handeln. Insofern kann auch ein Zauberer mit
    seinen Mitteln Rondra dienen.

    Da ist alles erkärt was ihr für unplausibel haltet 🙂